Höllentod im Niger-DeltaLeck geschlagene Treibstoff-Pipeline explodiert - Hunderte ToteNairobi - Das Flammeninferno von Apawor im Ölland Nigeria war die Hölle. Verkohlte Leichen lagen noch am Montag zwischen rauchenden Ruinen. "Ein riesiger Feuerball hat alles niedergewalzt", berichtet ein Augenzeuge. "Menschen und Tiere, Häuser und Autos, alles stand in Flammen."
Hunderte Menschen drängten sich seit Tagen um mehrere große Lecks in der Treibstoff-Pipeline, die durch ihr Dorf verläuft. In Flaschen und Baby-Badewannen, Kanistern und selbst in Wasserschläuchen versuchten sie, den auslaufenden Kraftstoff aufzufangen. Dutzende - so beschrieben es Augenzeugen - badeten geradezu in Benzin, als ein Funke das Inferno auslöste. In Sekunden riß das Höllenfeuer die am nächsten stehenden in den Tod und breitete sich immer weiter aus.
Graben war voller BenzinAm schlimmsten wüteten die Flammen in einem Graben, der voll von Benzin war. Viele hatten dort versucht, ihre Behälter mit dem begehrten Stoff zu füllen. Sie wollten das Benzin am Straßenrand an Autofahrer verkaufen. Ausgerechnet im so erdölreichen Nigeria ist Kraftstoff knapp. Der größte Teil des "braunen Goldes" wird als Rohöl oder bereits verarbeitet gegen Dollars exportiert. 90 Prozent der Staatseinnahmen des mit mehr als 115 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Landes Afrikas stammen aus dieser Quelle. Ein Großteil fließt in die Taschen der Mitglieder der regierenden Militärjunta.Seit Jahren klagen die Angehörigen der verschiedenen Völker im Nigerdelta, daß staatliche und internationale Erdölkonzerne zwar riesige Profite machen, sich aber nicht um die Menschen und die zerstörte Umwelt im Niger-Delta kümmerten. Shell und andere Öl- Konzerne haben dort zwar Schulen und Hospitäler gebaut sowie zahlreiche Entwicklungsprogramme gefördert. Doch militante Gruppen von Völkern wie den Ogoni oder den Ijaw erklären, dies sei angesichts weitverbreiteter Armut nur ein Tropfen auf den heißen Stein.
Reporter: Anlagen veraltetImmer wieder haben sie versucht, die Militärregierung und die Ölmultis durch Sabotageakte zur Erfüllung ihrer Forderungen zu zwingen: Mehr Geld für die Gemeinden in den Fördergebieten, mehr Mitsprache bei der Verwendung der Einnahmen aus den Exporten, mehr politische Selbstverwaltung.Nigerias Staatsfirma für die Vermarktung von Erdölprodukten PPMC - Betreiber der Pipeline, die sich auch durch Apawor zieht - hat sehr schnell radikale Ijaw-Gruppen für das Desaster verantwortlich gemacht. Sie hätten die Leitung aufgehackt, um ihre Forderungen durchzusetzen und den Dörflern eine zusätzliche Einkommensquelle zu verschaffen. Nigerianische Reporter hingegen wiesen auf die notorisch schlampige Arbeitsweise der Firma hin. Deren Anlagen seien veraltet und äußerst schlecht gewartet. Lecks, aus denen Tausende von Litern Kraftstoff oder Erdöl ausflossen, habe es deshalb auch in der Vergangenheit immer wieder gegeben. Von Thomas Burmeister, dpa - Grafik: dpa
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| Geändert am 19. Oktober 1998 15:33 von aj | |