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Erstmals Ampel-Kennzeichnung von Lebensmitteln

Berlin Der Druck auf Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) zur Einführung der umstrittenen Ampel-Kennzeichnung für Lebensmittel wächst.

Die AOK, die Verbraucherzentralen, die Verbraucherorganisation Foodwatch und die SPD-Bundestagsfraktion forderten am Mittwoch eine Pflichtkennzeichnung in den Farben rot, gelb und grün. Als erster deutscher Hersteller kündigte der Tiefkühlproduzent Frosta an, die Ampelfarben bei vier von rund 50 Produkten einzuführen. Dennoch hat die flächendeckende Einführung wenig Chancen. Aigner will eine verbesserte Kennzeichnung prüfen.

Dabei gehe es um eine bessere optische Darstellung des schon praktizierten Modells, sagte eine Ministeriumssprecherin auf Anfrage. Außerdem soll geprüft werden, ob es einen Kompromiss bei Portionsgrößen gibt. Bisher nimmt die Wirtschaft als Bezugsgröße nicht immer den gesamten Packungsinhalt, sondern wie etwa bei Pizzen nur einen Teil. Aigner hatte einen Runden Tisch für diesen Donnerstag aus Termingründen in der vergangenen Woche abgesagt. Sie sieht die Kennzeichnung in Ampelfarben skeptisch. Die Lebensmittelwirtschaft lehnt das System strikt ab. Dabei stehen rot, gelb und grün für einen hohen, mittleren oder niedrigen Anteil an Zucker, Salz oder Fett.

Verbraucherschützer warben für eine gesetzliche Pflicht der Ampel auf Verpackungen. «Wir brauchen eine Kennzeichnung, die insbesondere auch für Familien eine schnelle Orientierung liefert», sagte der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Gerd Billen. Der Geschäftsführer der Verbraucherorganisation Foodwatch, Thilo Bode, forderte eine verständliche Kennzeichnung von Zucker und Fett. «Leider ist genau das Gegenteil der Fall.» AOK-Vorstandsvize Jürgen Graalmann sagte, nach Schätzungen verursachten ernährungsbedingte Krankheiten Kosten von bis zu 70 Milliarden Euro im Jahr.

Die Verbraucherpolitiker von SPD , Linken und Grünen erklärten, Aigner müsse das Ampel-System voranbringen. Union und FDP warnten dagegen vor Irreführung. Die Wirtschaft warnte vor Schwarz-Weiß-Malerei. «Eine gute Ernährung bedeutet immer eine Zusammenstellung verschiedenster Lebensmittel», teilte der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde mit. Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels kritisierte, die Ampel-Kennzeichnung sei nicht objektiv.

Frosta will ab August auf den vier umsatzstärksten Produkten die Nährwerte in Ampelfarben angeben. Frosta-Vorstand Felix Ahlers forderte aber eine gesetzliche Pflicht für alle Hersteller. Ein Alleingang ergebe langfristig keinen Sinn.

Mehr als 80 Prozent der Lebensmittel in Deutschland zeigen nach Einschätzung der Lebensmittelwirtschaft die Nährwertangaben pro Portion und in Bezug auf die Tagesmenge. Rund zwei Drittel der Bundesbürger sind nach einer Emnid-Umfrage im Auftrag von Foodwatch für eine farbliche Kennzeichnung. In Großbritannien nutzen Hersteller und Händler das Ampel-System freiwillig. Das EU-Parlament hatte eine Regelung auf die Zeit nach der Europawahl verschoben.

dpa-infocom




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